Hochwassergefahr durch A 44-Tunnelerde

Hochwassergefahr für Reichensachsen durch A 44-Tunnelerde
Keine Information über die Dimension der Erd-Aufschüttung in der Bürgerversammlung
Kosten für die Gemeinde blieben im Unklaren
Nachfrage nach Gewerbegebieten nicht vorhanden

Das Foto wurde 1981 im Bereich der heutigen Füßgänger- und Radfahrerbrücke mit Blick nach Hoheneiche aufgenommen.

Im Sommer 1981 gab es nicht nur in Wehretal ein Jahrhunderthochwasser, Das Foto wurde im Bereich der heutigen Füßgänger- und Radfahrerbrücke in Oetmannshausen mit Blick nach Hoheneiche aufgenommen. Auch das gesamte Gelände des geplanten Gewerbegebietes nördlich von Reichensachsen und große Teile des alten Ortskerns sollen überflutet gewesen sein.

Am 15.02.2016 fand eine Ausschusssitzung der Wehretaler Gemeindevertretung statt. In einem der acht Tagesordnungspunkte ging es um die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gewerbegebiet „Auf den Goldenen Äckern“, nördlich von Reichensachsen. Es umfasst das Gelände zwischen der Bundesstraße nach Eschwege, der zukünftigen Nordumgehung, der Wehre, bis zur Bebauungsgrenze von Reichensachsen, insgesamt eine Fläche von 15 ha. Das entspricht 21 Fußballfeldern.

Der Kartenausschnitt ist ein bearbeitetes Bildschirmfoto von der Internetseite: http://www.openstreetmap.de

Die gesamte Fläche soll zwischen Wehre, Ortsrand von Reichensachsen, B 452 und der zukünftigen Nordumgehung soll mit Erde aus dem A 44-Tunnelbau um 1-2 Meter angehoben werden. Bei einer Wiederholung des Jahrhunderthochwassers von 1981 ist dadurch mit deutlich höherem Hochwasser in Reichensachsen zu rechnen. Der Kartenausschnitt ist ein bearbeitetes Bildschirmfoto von der Internetseite: http://www.openstreetmap.de

Die Sitzungsunterlagen für die Mitglieder des Ausschusses beinhalteten lediglich eine Karte über das geplante Gerwerbegebiet. Damit wurde den Gemeindevertretern erstmalig mitgeteilt, welche Fläche für das Gewerbebiet vorgesehen ist. Erläuterungen, um sich auf die Thematik vorbereiten zu können, gab es nicht. In der Sitzung wurde mit einer Präsentation in erster Linie begründet, warum durch die Gemeindevertretung in der ursprünglich für den 25.02.2016 vorgesehenen Sitzung ein Aufstellungsbeschluss gefasst werden muss. Die Sitzung wurde auf den 14.03., nach der Kommunalwahl, verschoben. So kurz nach der Wahl tagt noch die alte Zusammensetzung der Gemeindevertretung. Zahlen über die auf die Gemeinde zukommenden Kosten gab es nicht.

Erst in der Sitzung wurde den Gemeindevertretern mitgeteilt, dass in der nächsten Gemeindevertretersitzung ein Aufstellungsbeschluss gefasst werden muss, damit auf der Fläche des geplanten Gewerbegebietes die überschüssigen Erdmassen der Autobahntunnel deponiert werden können. Darüber hat in der Bürgerversammlung am 9. Februar keiner der „Offiziellen“ ein Wort verloren. Wahrscheinlich hatte man Angst vor der Öffentlichkeit. Nun sollen mit Hochdruck Tatsachen geschaffen werden. Das Argument, ab 2018 kommt eine Welle von Nachfragen nach Gewerbegebieten auf Wehretal zu, ist reine Spekulation. Gegen Stimmen der FWG wurde einer Empfehlung für die Gemeindevertretung zugestimmt.

Das gesamte Gelände soll, so die Gemeindevertretung in ihrer nächsten Sitzung zustimmt,  noch in diesem Jahr bis zwei Meter hoch mit A 44- Tunnelerde aufgefüllt werden. Vergessen ist offenbar das Jahrhunderthochwasser Anfang der 80er Jahre im Wehretal, bei dem weite Teile der Feldflur unter Wasser standen. Es besteht die Gefahr, dass bei einer ähnlichen Hochwassersituation die Überflutung auch von Teilen der Ortslage von Reichensachsen deutlich schlimmer ausfällt. Nordumgehung und Erddeponiefläche wirken wie ein Riegel als Abflusshindernis und fehlen obendrein als Retensionsraum. Eine Gefährdung von Gesundheit und Eigentum der Bevölkerung werden hier bewusst in Kauf genommen. Die augenscheinlich günstige Gelegenheit mit dem Erdreich aus dem A 44-Tunnelbau den späteren Verkauf von Gewerbeflächen zu einem günstigen Preis ermöglichen zu können, steht der Verlust wertvollster Ackerfläche und die offensichtlich steigende Hochwassergefahr entgegen. Die FWG hält daher eine gründliche Abwägung für dringend geboten und warnt vor einem Beschluss um jeden Preis.

Die FWG stellt fest:

  • Es gab keine ausreichende Vorab-Information der Gemeindevertreter zur Ausschusssitzung.
    Zum TOP Gewerbegebiet gab es nur einen groben Übersichtsplan Gewerbegebiet ohne jegliche Erläuterung.
  • Welche Kosten auf die Gemeinde zukommen blieb im Unklaren
  • Eine weitere im Regionalplan als mögliches Gewerbegebiet vorgesehene Fläche nördlich der Nordumgehung wurde in der Sitzung nicht behandelt.
    Die Erfahrungen anderer Kommunen (Hessisch Lichtenau, Herleshausen, Eschwege) oder Einschätzungen fachlich kompetenter Stellen wie der WFG Werra-Meissner wurden nicht berücksichtigt. Es wurden keine Alternativen geprüft.

    Der Kartenausschnitt ist ein bearbeitetes Bildschirmfoto von der Internetseite: http://www.openstreetmap.de

    Das im Ausschuss der Gemeindevertretung nicht behandelte Gebiet nördlich der geplanten Nordumgeheng, entlang der B 452 in Richtung Eschwege. Der Kartenausschnitt ist ein bearbeitetes Bildschirmfoto von der Internetseite: http://www.openstreetmap.de

  • Ist die Fläche aufgefüllt, ist die Gemeinde für alle Folgekosten zuständig, insbesondere die Beseitigung von Wildwuchs.

  • Große, zusammenhängende Flächen wertvollsten Ackerbodens gehen für immer verloren. Nicht ohne Grund heißt das Gelände „Goldene Äcker“.
  • Die Anbindung des Gewerbegebietes südlich von Hoheneiche, an die Autobahnauf- und -abfahrt Netratal mittels Unterführung oder Brücke, war kein Thema bei den Überlegungen. Eine Südanbindung von Hoheneiche wäre zum Beispiel auch wichtig für den Busverkehr. Die Fahrgäste, die meisten sind Schüler, müssten nicht mehr zur Bundesstraße hochlaufen und dieses überqueren.

    gewerbegebiet_hoheneiche

    Das Gewerbegebiet südlich von Hoheneiche. Die Anbindung an die Autobahnauf- und abfahrt vor Wichmannshausen brächte zusätzlich Vorteile für Hoheneiche. Der Kartenausschnitt ist ein bearbeitetes Bildschirmfoto von der Internetseite: http://www.openstreetmap.de

  • Die in der Ausschusssitzung genannten Begründungen für den sofortigen Aufstellungsbeschluss beruhen fast alle auf Spekulationen.

  • Es gab keine Abwägung ob die Inkaufnahme einer möglichen höheren Hochwassergefährdung und den daraus resultierenden Schäden im Verhältnis zum Nutzen des Gewerbegebietes steht.

  • In der Bürgerversammlung am 09.02. gab es keine Information über die Dimension des Vorhabens. Es wäre ein leichtes gewesen, das Gelände mittels des vorhandenen Beamers den etwa 300 Teilnehmern zu zeigen.

Die Entscheidung über die Aufschüttung von Erdmassen diesen Ausmaßes am Nordrand Reichensachsens und die anschließende Ausweisung als Gewerbegebiet birgt eine erhebliche Tragweite in sich, sodass sie nicht nebenbei entschieden werden sollte. Die FWG fordert eine ausführliche Beratung in den Ausschüssen unter Hinzuziehung von Fachleuten zur gründlichen Vorbereitung einer Beschlussempfehlung für die am 6. März 2016 neu gewählte Gemeindevertretung.

Weitere Fotos vom Jahrhunderthochwasser siehe:
Aufnahmen vom Jahrhunderthochwasser im Sommer 1981

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Über FWG - Bürger für Wehretal

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